Betreibt die katholische Kirche Pinkwashing?

Eigentlich handelt es sich hierbei um einen Erfolg: Die Doku „Wie Gott uns schuf“ konnte einen neuen Preis für sich verbuchen: Den katholischen Medienpreis. Was die einen etwas verwundert, stört die anderen umso mehr.

Vor allem die Initiative #OutInChurch wirft den Verantwortlichen, die hinter dem Preis stecken, nun Pinkwashing vor. Zudem handele es sich um eine Imagekampagne, die „auf dem Rücken queerer Menschen“ ausgetragen werden.

Betreibt die Kirche Pinkwashing?

Initiative fordert konkrete Taten

Die Initiative #OutInChurch stört sich laut eigener Aussage vor allem daran, dass von Seiten der Bischöfe keine „konkreten Taten“ folgen würden. Daher handele es sich bei der Verleihung des Preises nur um eine Imagekampagne bzw. um Pinkwashing.

Bei Letzterem handelt es sich um keine neue Wortschöpfung. Auch vielen Unternehmen, die sich ansonsten nicht für die Community starkmachen, zum „Pride Month“ aber beispielsweise ihre Produkte in Regenbogenfarben herausbringen, wird immer wieder vorgeworfen, einfach nur „auf einer Welle mitschwimmen“ zu wollen. Die Solidarität für die Szene erscheint vor dem Hintergrund, dass es an weiterem Support auf unterschiedlichen Ebenen fehlt, oftmals für viele nicht glaubwürdig.

Und mit genau diesen Vorwürfen muss sich nun auch die Deutsche Bischofskonferenz auseinandersetzen. Immerhin hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass Queers innerhalb der katholischen Kirche einen allgemein „schwierigen Stand“ haben.

Worum geht es bei „Wie Gott und schuf“?

Bei „Wie Gott uns schuf“ handelt es sich um eine etwa einstündige Doku. In ihr outen sich mehr als 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als queer. Das Besondere: Sie alle haben ihre berufliche Tätigkeit in den Dienst der katholischen Kirche gestellt. Damit zeigen sie auf beeindruckende Weise, dass sich Queerness und Glaube auf keinen Fall ausschließen müssen. Auf die Doku folgte dann die Kampagne #OutInChurch, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, für mehr Toleranz innerhalb der Glaubensgemeinschaft zu sorgen.

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Auch die Jury, die letztendlich entschied, die Doku auszuzeichnen, zeigte sich von deren Inhalt sehr ergriffen. Der Film sei „tief berührend“ und „erschütternd“ und würde aufrütteln. Sie habe dazu geführt, dass auch in den Reihen der Kirche in letzter Zeit viel diskutiert worden sei. Unter anderem auch über Themen, die früher „undenkbar“ gewesen seien.

Was wirft #OutInCurch den Bischöfen vor?

Einer der Hauptkritikpunkte der Initiative #OutInChurch ist, dass die Bischöfe bisher tatenlos gewesen seien. Oder anders: Die Bischöfe würden sich immer noch nicht genug dafür einsetzen, dass queere Menschen in der katholischen Kirche nicht diskriminiert werden. In der Doku würden Forderungen gestellt, von denen noch keine einzige seit der Veröffentlichung erfüllt worden wäre.

Viele Bischöfe würden sich sogar weigern, mit den Verantwortlichen von #OutInChurch zu sprechen.

Die Initiative fordert die Bischöfe auf, bei der nächsten Zusammenkunft des Ständigen Rates Änderungen mit Hinblick auf das katholische Arbeitsrecht und die Grundordnung des kirchlichen Dienstes vorzunehmen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass queere Menschen in Zukunft innerhalb der katholischen Kirche nicht mehr diskriminiert werden. Immerhin sei hiermit unter anderem großes Leid verbunden.

Zu guter Letzt spannen die Verantwortlichen der Initiative auch einen Bogen zum Kirchenoberhaupt. Auch der Papst muss selbstverständlich in die entsprechenden Änderungen einbezogen werden. So sollten die Bischöfe, laut Meinung von #OutInChurch, sich dafür einsetzen, eine Änderung im Katechismus vorzunehmen. Einer der wichtigsten Bereiche: Die aktuellen Vorgaben zur Sexualmoral innerhalb der Kirche.

Trotz aller Kritik soll die Tatsache, dass es die Doku „Wie Gott uns schuf“ geschafft hat, eine weitere Auszeichnung zu erhalten, natürlich nicht in den Hintergrund geraten. Und wer weiß? Vielleicht hat der Umstand, dass der Preis von der Deutschen Bischofskonferenz verliehen wurde, ja auch dafür gesorgt, dass noch mehr Menschen auf den Film aufmerksam werden?

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