Hallo Dr. Randy, Was mache ich, wenn mein Kind gemobbt wird? (Lars, 37 Jahre)

eigentlich könnte ich nicht glücklicher sein. Mein Mann und ich haben vor circa einem Monat unseren Sohn adoptiert. Wir fühlen und nun wie eine richtige Familie und genießen jeden Moment miteinander.

Jonas, unser Sohn, ist nun drei Jahre alt und soll bald in den Kindergarten gehen.

Natürlich möchten wir, wie alle Eltern, dass er eine erfüllte Kindheit hat. Der Gedanke daran, dass es intolerante Menschen gibt, die uns als Regenbogenfamilie mit Kind als „anders“ oder „nicht normal“ ansehen könnten, macht mich wütend und gleichzeitig besorgt.

Ich habe Angst davor, dass mein Sohn im Kindergarten gemobbt werden könnte, weil er zwei Papas hat. Mittlerweile bereitet mir das Thema schlaflose Nächte. Mein Mann ist hier deutlich entspannter als ich. Er meint, ich sollte abwarten, wie sich das Ganze entwickelt. Was raten Sie mir?

besten dank, Lars

Was mache ich, wenn mein Kind gemobbt wird?

Lieber Lars,

zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch! Es kann unglaublich erfüllend sein, so einen besonderen Schritt zu gehen und es freut mich, dass sich eure Familie erweitert hat.

Natürlich möchtet ihr für euer Kind nur das Beste. Dementsprechend ist es vollkommen normal, dass du dich mit Szenarien wie Mobbing oder Intoleranz auseinandersetzt. Lass‘ dir zunächst gesagt sein: mit diesen Überlegungen bist du nicht allein! Es gibt auch viele Hetero-Eltern, die sich mit genau diesen Gedanken herumschlagen.

Kinder können gemein sein, das stimmt. Aber – so neutral es sich zunächst anhören mag – : du kannst dein Kind leider nicht vor allem beschützen. Hinzu kommt, dass Kinder ihre Vorstellungen von der „perfekten Familie“ anerzogen bekommen. Das bedeutet: das Problem liegt in aller Regel in der Erziehung. Kinder, die im Glauben, schwule bzw. lesbische Paare seien „komisch“ erzogen werden, vertreten oft diese Auffassung meist, ohne das Ganze zu hinterfragen.

Mein erster Rat ist, dass du ein wenig mehr auf deinen Partner hörst und tatsächlich zunächst entspannt abwartest. Sicherlich wird den anderen Kindern irgendwann auffallen, dass Jonas zwei Papas hat. Vielleicht wird er auch selbst davon erzählen. Du weißt aber doch noch gar nicht, wie die anderen reagieren. Vielleicht finden sie das Regenbogenkonzept ja „cool“? Gerade Kinder sind hier oft – (wie bereits erwähnt) eine entsprechende Erziehung vorausgesetzt – toleranter und offener als häufig angenommen.

Widmen wir uns aber auch kurz dem „worst case“. Sollte dein Sohn tatsächlich im Kindergarten geärgert werden, ist es im ersten Schritt wichtig, sein Selbstvertrauen zu stärken und mit den Erziehern über die Problematik zu sprechen. Immerhin handelt es sich bei ihnen um die Aufsichtspersonen, die ohnehin den kompletten Kindergartentag vor Ort sind. Wissen sie Bescheid, können sie ein genaues Augenmerk auf die Situation legen und gegebenenfalls mit den Eltern der Kinder sprechen.

Aber nochmal: viele Eltern (egal, ob gleichgeschlechtlich oder hetero) machen sich zu viele Gedanken darüber, ob ihr Kind im Kindergarten oder später in der Schule geärgert werden könnte. Daher gilt: abwarten, beobachten und im Notfall um ein Gespräch mit den Erzieher/-innen bitten. Viele Probleme dieser Art lösen sich erfahrungsgemäß jedoch in Luft auf.

Liebe Grüße und alles Gute für euch drei,

Dr. Randy

Leave a Reply