Die Gedenktafeln der Homosexuellenbewegung in Berlin wurden erneut beschädigt

Homophobie im Alltag
Die Aussagekraft, die hinter dieser Tat steckt, ist ernüchternd. In Berlin wurden schon wieder die Gedenktafeln, die zu Ehren der Homosexuellenbewegung aufgestellt wurden, beschädigt.

Die Tafeln befinden sich am Magnus-Hirschfeld Ufer. (Noch) Unbekannte haben sie verschmiert und die Gesichter, die hierauf abgebildet wurden, ausgebrannt.

Eigentlich soll mit diesen Tafeln an die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung gedacht werden. Einigen homophoben Menschen scheint dies ein Dorn im Auge zu sein – nicht zum ersten Mal.

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen

Homophobie im Alltag
Im Zuge weiterer Untersuchungen soll nun herausgefunden werden, wer die drei Gesichter beschädigt und die Gedenktafeln verschmiert hat.

Besonders erschreckend: einige Menschen scheinen sich so sehr an der Gedenktafel zu stören, dass sie es nicht ertragen können, dass sich diese zentral und dementsprechend präsent in der Stadt befindet. Jetzt schon insgesamt fünfmal (!) kam es zu Aktionen dieser Art. Doch auch ohne Feuer versuchte man in der Vergangenheit schon, seine Abneigung gegen die Szene zu verdeutlichen, indem die Tafeln auf andere Weise angegriffen wurden.

In einem dürften sich Bürger und Staatschutz einig sein: hier geht es keineswegs „nur“ um Zerstörung, sondern vielmehr um ein Statement, das sich gegen die Gleichstellung und die Emanzipationsbewegung Homosexueller richtet.

Beschädigungen dieser Art dürfen nicht verharmlost werden

Homophobie an Gedenktafeln
Auch wenn es sich bei den besagten Gedenktafeln – zunächst ganz nüchtern betrachtet – um tote Gegenstände handelt, zeigt die Erfahrung, dass auf solche Aktionen auch körperliche Übergriffe folgen können.

Vor allem die Brutalität (mit Feuer), mit der hier vorgegangen wurde, lässt aufhorchen.

Aktuell dauern die Ermittlungen noch an. Wer sich jedoch ein wenig genauer mit der Geschichte der besagten Gedenktafeln auseinandergesetzt hat, wird wissen, dass diese in der Vergangenheit immer wieder erneuert wurden.

Diejenigen, die den besagten Vandalismus betrieben haben, dürften mit dem Wiederaufbau bzw. der Instandsetzung lediglich den Beweis erhalten, dass es schlicht nicht möglich ist, die Community und ihre Geschichte unsichtbar zu machen.

Wie tolerant ist Berlin?

Homophobie an Gedenktafeln
Berlin gilt im Allgemeinen als weltoffene, bunte und tolerante Stadt. Aktionen wie der Vandalismus an der Gedenktafel zeigen jedoch immer wieder, dass auch in der deutschen Hauptstadt noch viel Luft nach oben ist.

Auch der Blick auf die Statistik erschreckt. Die Anzahl homophober Angriffe gegen Queers steigt an. In der Berliner Staatsanwaltschaft wurde sogar eine Spezialabteilung ins Leben gerufen, die sich ausschließlich mit diesem Themenbereich befasst.

Besonders erschreckend ist natürlich auch, dass es in Bezug auf homophobe Übergriffe immer auch eine große Dunkelziffer gibt. Manchmal schämen sich die Opfer dafür, überwältigt worden zu sein, manchmal ist es jedoch auch die Angst davor, vom Täter erneut aufgesucht zu werden, wenn Anzeige erstattet wird.

Dementsprechend ist davon auszugehen, dass die gestiegenen Zahlen in den Statistiken noch nicht das komplette Ausmaß des Problems darstellen.

Polizei und Staatsanwaltschaft sind daher bestrebt, hier Präsenz zu zeigen und zu vertreten, dass es sich auch bei Schmierereien eben nicht um einem „blöden Jugendstreich“, sondern um ein – in vielerlei Hinsicht – ernsthaftes Problem handelt.

Gleichzeitig sollte in diesem Zusammenhang auch betont werden, dass es sich bei dem Fall von Vandalismus in Berlin um keinen Einzelfall handelt. In der Vergangenheit gab es viele Vorkommnisse dieser Art – deutschlandweit.

Wo finden Betroffene Hilfe?

Queers, die Opfer von Gewalt geworden sind, finden in ihrer Nähe Hilfsangebote. Ein wenig Recherche über das Internet hilft in der Regel, um einen Ansprechpartner ausfindig zu machen. Fest steht: Niemand muss sich allein fühlen. Die Community (inklusive der Menschen, die sie unterstützen) ist größer als es oft den Anschein haben mag.

 

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