Der evangelische Landesbischof von Württemberg befürwortet die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Ernst-Wilhelm Gohl ist der neue Landesbischof der evangelischen Landeskirche Württemberg. Und in genau dieser Position hat er sich kürzlich für mehr Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren ausgesprochen.

Interessanterweise war auch der in letzter Zeit oft kritisierte Kardinal Woelki vor Ort. Auch er predigte.

Gohls macht sich für die LGBTQIA+ Szene stark

In seiner Predigt erklärte Gohls, dass sich die württembergische Landeskirche über viele Jahre hinweg schwer damit getan habe, Männer und Frauen, die das gleiche Geschlecht lieben und ihre Partnerschaft segnen lassen wollen, zu akzeptieren. Er sei daher dankbar dafür, dass jedoch nun auch diese Paare die Möglichkeit hätten, sich ihren Segen abzuholen, wenn diese sich genau das wünschen würden.

Besonders rührend war in diesem Zusammenhang auch sein Statement, dass es sich bei Menschen, die das gleiche Geschlecht lieben, auch um einen „Ausdruck von Gottes Schöpfungsvielfalt“ handele. Wie vielfältig diese Schöpfung sei, übersteige die Vorstellungen der Menschen.

Viele Queers sehen in der Predigt des Landesbischofs schon eine Art Zäsur. Immerhin ist es genau die württembergische Landeskirche, die sich in letzter Zeit gegen viele Vorwürfe rund um Homophobie zur Wehr setzen musste. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen hier immer noch nicht heiraten. Und längst können sich die Queers ihren Segen noch nicht in jeder der Gemeinden abholen.

Der neue Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

Gohls Statement: Nicht alle sind begeistert

… und vielleicht wäre es auch naiv gewesen, davon auszugehen, dass sich alle Kirchenvertreter mit den Inhalten aus Gohls Predigt identifizieren können. Immerhin hat auch die letzte Synodalversammlung gezeigt, dass mit Hinblick auf die Gleichberechtigung von Queers noch ein langer Weg bestritten werden muss.

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Es gibt sogar einige Kirchenvertreter, die dem Landesbischof der evangelischen Landeskirche Württemberg nun vorwerfen, im Rahmen seiner Predigt die Gräben, die innerhalb der Kirche nach wie vor vorherrschen, noch tiefer graben zu wollen. Einige empfanden auch die Location und den Zeitpunkt der Predigt als unpassend.

Aber: Auf der anderen Seite wird Gohl auch von vielen Mitgliedern der Szene für seine offenen Worte gefeiert. Viele freuen sich darüber, dass der Landesbischof einen derart offiziellen Anlass nutzte, um Farbe zu bekennen. Und gerade die Tatsache, dass es von einem der Verantwortlichen der Landeskirche vielleicht nicht unbedingt erwartet worden wäre, sich derart tolerant gegenüber Queers zu äußern, macht einigen Mut. Dennoch wäre es ganz sicher zu früh, sich zu freuen. Denn: Die letzte Synodalversammlung hat einmal mehr gezeigt, wie viel Gegenwind Queers in der heutigen Zeit immer noch entgegenschlägt.

Nähern sich die Kirche und die queere Szene an? Oder entfernen Sie sich zunehmend voneinander?
Hierbei handelt es sich um eine Frage, auf die sicherlich jeder eine andere Antwort hat. Während einige der Meinung sind, dass die Diskussionen über mehr Toleranz die Institution Kirche nur noch weiter spalten, gibt es viele andere, die die Meinung vertreten, dass die Zeit zum Umdenken gekommen ist.

Vor allem die große Anzahl an Menschen, die sich in letzter Zeit dazu entschlossen hat, sich innerhalb der Kirchengemeinde zu outen, zeigt, wie gut sich Glaube und persönliche Orientierung miteinander kombinieren lassen – sofern dies von allen Seiten toleriert wird.

Aufgrund der Tatsache, dass die Institution Kirche jedoch auf alten Traditionen beruht, dürfte sich „innovatives Denken“ hier eher langsam verbreiten. Aber wer weiß? Vielleicht sind es der Mut der Menschen, die sich outen plus die Aussagen von Amtsträgern wie Gohls, die dafür sorgen, dass ein „kleines Wunder“ geschieht und Queers in Zukunft seitens der Kirche genau so behandelt werden, wie heterosexuelle Menschen.

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