Politik möchte Gewalt gegen Queers entschlossener entgegentreten

Viele Queers, die Opfer homophober Gewalt wurden, schämten sich in der Vergangenheit dafür bzw. entschlossen, die Taten nicht zur Anzeige zu bringen, da sie oft nicht ernst genommen wurden. Mittlerweile hat sich die Situation in vielen Städten gebessert. Und dennoch: oft hat es den Anschein, als würde das Ausmaß von Gewalt gegen Queers von vielen Menschen immer noch unterschätzt werden.

Innensenator Geisel (SPD) macht sich nun dafür stark, dass sich genau das ändert. Unter anderem sollen die Polizei und die Öffentlichkeit stärker sensibilisiert werden. Sein Plan ist es unter anderem, ein Expertengremium einzurichten.

Politiker kämpfen gegen Homophobe Gewalt

Geisels Vorhaben im Detail

Geisel plant, ein unabhängiges Expertengremium damit zu beauftragen, Konzepte auszuarbeiten, wie Gewalt gegen Queers besser erfasst werden kann. Denn: Es mangelt auch im weltoffenen Berlin noch immer an Transparenz. Viele Menschen werden Opfer homophober Übergriffe und dennoch bleibt der Grund für den Angriff oft im Verborgenen. Umso wichtiger ist es hierbei, Aufklärungsarbeit zu leisten und das Augenmerk der Bevölkerung darauf zu richten, dass Homophobie im Alltag durchaus noch eine Rolle spielt und dass sich viele Opfer schlicht nicht trauen, hierüber zu sprechen, weil sie fürchten, belächelt zu werden.

Wie viele queerfeindliche Gewalttaten gibt es tatsächlich?

Hierbei handelt es sich um eine Frage, die (noch?) nicht beantwortet werden kann. Denn: Statistiken widersprechen sich teilweise. So gibt es beispielsweise Umfragen, in denen Queers angeben, schon mindestens einmal Opfer physischer oder psychischer Gewalt geworden zu sein. Die Anzahl der Opfer ist jedoch deutlich höher als die Angaben, die sich beispielsweise in Polizeiberichten nachlesen lassen.

Um hier für mehr Transparenz zu sorgen, wäre es in jedem Fall wichtig, für eine Art „Hilfsnetzwerk“ zu sorgen. Verschiedene Stellen, zum Beispiel Hilfsangebote und Polizei, müssen noch enger zusammenarbeiten, um Queers eine ideale Anlaufstelle zu bieten. Oder anders: Niemand, der in der Vergangenheit Opfer homophober Gewalt wurde, sollte sich in Zukunft fragen müssen „An wen kann ich mich mit meinem Problem wenden?“.

Wer sich ein wenig genauer mit den einschlägigen Statistiken befasst, erkennt schnell ein Muster. Lesben werden vergleichsweise selten angegriffen. Meist werden schwule und transsexuelle Männer zu Opfern. Die Taten reichen hier von Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Verletzungen, die schlussendlich im Krankenhaus stationär behandelt werden müssen.

Berlin als „Vorbild“ in Sachen Aufklärung?

Der Blick auf die Statistik zeigt jedoch auch, dass Berlin in Sachen Aufklärung homophober Straftaten (oder zumindest in deren Aufnahme) mit positivem Beispiel vorangeht. Denn: Hier werden – gerade im Vergleich zu anderen Städten – viele Taten angezeigt und auch als „queere Gewalttaten“ deklariert.

Wie hoch die tatsächliche Anzahl an Gewalttaten dieser Art ist, kann nur geschätzt werden. Dennoch zeigen die Pläne von Geisel, dass sich auch die Politik mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzt und dass möglicherweise auch die Forderungen, die im Rahmen der letzten CSDs zu diesem Thema gestellt wurden, mittlerweile mehr und mehr gehört werden.

Vor allem 2021 stand in vielen Kundgebungen das Ziel im Fokus, die Gesellschaft noch mehr dafür zu sensibilisieren, dass Gewalttaten gegen Queers keine „Randerscheinung“ sind, sondern erschreckenderweise seit einigen Jahren immer weiter zunehmen. Eine detaillierte Aufklärungsarbeit und transparente Statistiken könnten dabei helfen, hier auch auf langfristige Sicht entgegenzuwirken.

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