Die Aktivistin Emma Kohler fordert die Abschaffung des „Transsexuellengesetzes“

In Deutschland leben die Menschen selbstbestimmt und müssen hierbei keinerlei Nachteile befürchten,… Oder etwa doch? Wer einen Blick auf die Rechte von Queers wirft, stößt oft unweigerlich auf Baustellen. Der Satz „Was wollt ihr denn noch? Ihr habt doch schon alles?“ – der unter anderem oft in Sozialen Netzwerken die Runde macht, ist dementsprechend nicht nur anmaßend, sondern schlicht falsch.

Homosexuelle Männer dürfen in vielen Ländern bis heute nur unter gewissen Auflagen Blut spenden und auch transsexuelle Menschen müssen einige Hürden überstehen, ehe ihre Sexualität staatlich anerkannt wird.

Immer mehr Stimmen werden gegen diese Ungerechtigkeit laut. Eine von ihnen gehört zur 17-jährigen Emma Kohler. Sie gehört zu den vielen transsexuellen Menschen, die unter den Bestimmungen des TSG („Transsexuellengesetz“) leiden. De entsprechenden Vorgaben sind mehrere Jahrzehnte alt und erlauben es beispielsweise nicht ohne Weiteres, den eigenen Personenstand zu ändern, wenn die geschlechtsangleichende Operation noch nicht durchgeführt wurde. (Ergänzend sei hier erwähnt, dass der Name jedoch geändert werden kann.)

Emma Kohlers Petition stößt auf reges Interesse. Bisher (Stand: 11.02.2022) haben mehr als 77.000 Menschen auf change.org unterschrieben. Der Zusatz „Bei 150.000 Unterschriften wird diese Petition zu einer der meist gezeichneten Petitionen auf Change.org!“ dürfte zusätzlich motivieren und zeigen, wie vielseitig das Interesse der Menschen an einer Veränderung des Status Quo ist.

Emma Kohler gegen das „Transsexuellengesetz“

Was ist am Transsexuellengesetz eigentlich so „schlimm“?

Hierbei handelt es sich um eine Frage, die sich viele, die sich noch nicht eingehender mit dem Thema befasst haben, beschäftigen dürfte. Wer sich jedoch ein wenig Zeit nimmt, um sich genauer mit der Materie auseinanderzusetzen, stellt schnell fest, dass Menschen, die im falschen Körper geboren wurden, mit dem TSG nur unnötig Steine in den Weg gelegt werden. Unter anderem braucht es zwei psychologische Gutachten, in deren Zusammenhang erniedrigende Fragen, gestellt werden, um eine Änderung des Personenstands in die Wege zu leiten. Hinzu kommt, dass das Procedere nicht nur aufwendig und erniedrigend, sondern auch kostspielig ist. So kostspielig, dass es sich viele Betroffene schlicht nicht leisten können, die entsprechenden Schritte in die Wege zu leiten. Interessanterweise wurde das Verfahren sogar in der Vergangenheit vom Bundesverfassungsgericht für rechtswidrig erklärt. Eigentlich ist es doch dann nur noch eine Frage der Zeit, bis die Gesetzgebung nachzieht, oder doch nicht?

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Emma Kohler gegen das „Transsexuellengesetz“

Emma Kohlers Petition wird von verschiedenen Stellen unterstützt

Emma Kohler und die mehr als 77.000 Menschen, die die Petition bisher unterschrieben haben, sind nicht allein. Mittlerweile haben sich auch immer mehr Organisationen und Vereine an ihre Seite gestellt. Der Wunsch nach #selbstbestimmung2022 wird unter anderem von dem Bundesverband Trans* e.V., der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e. V. und der Lesbenberatung Berlin e. V. unterstützt.

Auch in den Sozialen Netzwerken erfahren die Forderungen von Emma Kohler mittlerweile viel Zuspruch. Die junge Frau ist unter anderem auf Instagram aktiv und nutzt die Aufmerksamkeit, um auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen. Von Politikverdrossenheit der Jugend kann hier dementsprechend definitiv nicht die Rede sein. Unter anderem ist Emma auch bei Fridays For Future aktiv.

Ihre Ziele? Selbstbestimmung und mehr Toleranz. Und auch wenn das Ziel, dass das TSG noch in diesem Jahr abgeschafft werden soll, ein wenig ambitioniert klingen mag, ermutigt es doch, zu sehen, mit wie viel Herzblut ein großer Teil der Community und viele Menschen, die sich mit der Szene verbunden fühlen, hier gerade um mehr Rechte UND Gerechtigkeit kämpft.

 

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