Wir dürfen heiraten! – Aber warum eigentlich?

Für viele Gays ist es heute fast schon selbstverständlich. Und möglicherweise wird in ein paar Jahrzehnten weitaus weniger darüber nachgedacht werden, dass die gleichgeschlechtliche Ehe „irgendwann einmal“ durchaus hart erkämpft wurde.

Umso spannender ist es jedoch, sich mit den verschiedenen Zäsuren auf dem Weg zur „Homo-Hochzeit“ auseinanderzusetzen. Die folgenden Meilensteine zeigen auf, dass hier viele Menschen sehr viel geleistet haben.

Die gleichgeschlechtliche Ehe

Schwul-Sein in der NS-Zeit: wenn die Liebe zu einem Mann strafbar ist

Die Nazis stellten Homosexualität unter Strafe. Viele schwule Männer wurden in Konzentrationslager gebracht und dort getötet bzw. schwer misshandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vergleichsweise wenig über Homosexuelle in der NS Zeit gesprochen. In den 1950er Jahren hieß es hierzu, dass der Verbot der männlichen Homosexualität durchaus mit dem Grundgesetz zu vereinbaren sei.

Die 1980er Jahre als erster Wendepunkt?!

Über einen langen Zeitraum hinweg wurde so der Deckmantel des Schweigens über schwule Männer gelegt. In den 1980er Jahren wurden dann jedoch immer mehr Stimmen laut, die mehr Rechte und mehr Toleranz forderten. Schon damals forderten viele die Möglichkeit, auch als schwules Paar heiraten zu dürfen. Dänemark gehörte hier zu den Vorreitern.

Hier war es schon zum Ende der 1980er Jahre erlaubt, seine Lebenspartnerschaft zumindest eintragen zu lassen.

Die gleichgeschlechtliche Ehe

Das LPartG wird verabschiedet

Es dauerte noch einmal sehr lange – genauer gesagt bis zum Jahr 2001 – bis das LPartG, das Lebenspartnerschaftsgesetz in Deutschland verabschiedet wurde.

Hierbei wurde festgehalten, dass Menschen, die sich in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft befanden, beispielsweise die jeweilige Lebenspartnerschaft eintragen lassen können. Die klassische Eheschließung lag hier jedoch noch in weiter Ferne. Zudem konnten die Betroffenen nicht von Steuervorteilen und ähnlichem profitieren, wenn sie sich dazu entschlossen hatten, sich zu „verpartnern“.

Auch war bei diesem Modell noch lange nicht an die Möglichkeit zu denken, beispielsweise irgendwann zusammen ein Kind zu adoptieren oder als hinterbliebener Partner über die Beerdigung des anderen zu entscheiden.

Anders ausgedrückt: die Möglichkeit, sich zu verpartnern war ein wichtiger Schritt, zeigte jedoch im Detail noch viel Nachbesserungsbedarf auf.

Die gleichgeschlechtliche Ehe

Der Durchbruch: die Öffnung der Ehe für alle

Immer wieder wurde über die Benachteiligung von gleichgeschlechtlichen Paaren diskutiert. Selbstverständlich spielte das Thema auch in der Politik eine weitreichende Rolle. Schlussendlich befasste sich auch der Bundestag mit der Eheöffnung. Am 30.06.2017 war es dann endlich so weit: Man diskutierte, beriet und debattierte. Schlussendlich stimmten 393 für „ja“, 226 für „nein“. Vier Abgeordnete enthielten sich.

Unter anderem war es den Stimmen der Grünen, der SPD und der Linken zu verdanken, dass die Eheöffnung in dieser Form (und auf den letzten Metern dann doch vergleichsweise schnell) durchgewunken wurde.

„Was bringt es euch eigentlich, zu heiraten?“

… hierbei handelt es sich um eine Frage, mit der sicherlich schon viele Queers konfrontiert wurden. Doch wieso eigentlich? Weshalb müssen sich Schwule, Lesben und Bi’s hier erklären, wo sicherlich niemand auf die Idee kommen würde, einem Hetero-Pärchen genau dieselbe Frage zu stellen?

Fest steht, dass es bei der Öffnung der Ehe für alle nicht nur darum ging, dem Partner/ der Partnerin einen Ring an den Finger zu stecken. Es ging um mehr! Nämlich um die Botschaft, mit heterosexuellen Paaren „gleichzuziehen“ und dieselben Vorteile und Möglichkeiten zu genießen.

Während die „Verpartnerung“ auf viele wie ein einseitiger und unvollständiger Kompromiss gewirkt haben mag, wurde mit der Ehe für alle eine besondere Botschaft vermittelt. Egal, ob in Bezug auf Steuern, Adoption oder andere Punkte: Ehe ist Ehe. Zumindest auf dem Papier. Und wenn eine solche Gesetzgebung noch dafür sorgen kann, dass auch in den Köpfen der Menschen mehr Toleranz herrscht, wurde vielleicht das erreicht, das viele Menschen vor etwa 80 Jahren nicht zu träumen gewagt hätten.

 

Schon gewusst das “Love Couples” bald bei Sat.1 startet?

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