Wer an Europa denkt, denkt oft an Freiheit und Toleranz… Doch gilt dies eigentlich auch mit Hinblick auf die Rechte von queeren Menschen? Genau mit dieser Frage setzte sich kürzlich der Rainbow Europe Bericht auseinander.

Das Ergebnis dürfte viele Menschen überraschen… Unter anderem auch deswegen, weil es Deutschland nicht auf die vorderen Plätze geschafft hat.

Ein Punkt, der dafür gesorgt haben könnte, dass die einschlägigen Entwicklungen zurückgeworfen wurden, könnte in der Pandemie liegen. Immerhin ist es nicht das erste Mal, dass Corona wie eine Art Vergrößerungsglas auf Probleme hinweist, die „irgendwie schon immer“ da waren, nun aber noch greifbarer werden.

Ein ernüchterndes Fazit für Rainbow Europe

Rainbow Europe legt den Finger in die Wunde und betont unter anderem, dass es Europa offensichtlich nicht geschafft hat, sich in 2020 mit Hinblick auf die Rechte von Queers weiterzuentwickeln.

Mit Hinblick auf die Rechte der Community zeigt sich, dass die nördlichen und westlichen Länder hier noch toleranter und fortschrittlicher zu sein scheinen als der Rest des Kontinents, wo Transsexuelle beispielsweise oft ausgegrenzt werden und jeden Tag um ein Mindestmaß an Anerkennung kämpfen müssen.

Wie freundlich ist Rainbow Europe

Ein Blick auf die einzelnen Platzierungen

Wie bereits erwähnt, hat es Deutschland nicht geschafft, sich im Rahmen des Rainbow Europe Berichts als besonders tolerant zu präsentieren. Doch wer führt die Liste an? Wie im vorherigen Jahr konnte sich Malte den ersten Platz sichern. Unter anderem wartet der kleine Inselstatt mit modernen Transsexuellengesetzen auf. Auch die Ehe für alle ist hier natürlich selbstverständlich.

Platz 2 und 3 belegen dann Belgien und Luxemburg, vor Portugal und Norwegen. Das Schlusslicht der begehrten Top Ten bildet Großbritannien. Deutschland muss sich mit Rang 16 begnügen. Auf den hinteren Plätzen finden sich die Türkei und Aserbaidschan wieder.

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Wer die Entwicklungen der letzten Jahre mitverfolgt hat, bemerkt schnell, dass sich hier nicht wirklich viel getan hat. Abgesehen von einzelnen kleinen Sprüngen noch oben oder nach unten ist die Liste gleich geblieben.

Was Staaten wie Malta in ihrem Vorgehen bestätigt, ist in anderer Hinsicht ernüchternd. Denn: keine Bewegung bedeutet gleichzeitig auch Stillstand.

Offensichtlich haben sich die einzelnen Länder derart auf die Bekämpfung der Corona Pandemie fokussiert, dass für andere Bestrebungen wenig Raum blieb.

Viele Mitglieder der Community fühlen sich nicht sicher

Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass die Gewalt gegen Queers in den unterschiedlichsten Regionen Europas zunimmt. Viele Mitglieder der LGBTQ Community fürchten sich davor – gerade in osteuropäischen Ländern – ihre Liebe offen zu zeigen.

Die LGBTQ-freien Zonen in Polen sind nur ein Detail in einer Welle des Hasses, die auch im 21. Jahrhundert noch besteht.

Die Ergebnisse rund um Rainbow Europe zeigen somit auf, dass Krisen wie die Corona Pandemie dafür sorgen können, dass andere wichtige Lebensbereiche auf der Strecke bleiben. Bleibt zu hoffen, dass – wenn die Welt mit Hinblick auf die Pandemie und ihre Auswirkungen – wieder ein wenig aufatmen kann, weiter für die Rechte von Queers gekämpft wird.

Ein etwaiger Stillstand, wie er sich in der aktuellen Tabelle zeigt, kann immerhin viele Seelen zerstören.

Wie freundlich ist Rainbow Europe

Wie funktioniert Rainbow Europe überhaupt?

Eine berechtigte Frage: Welche Faktoren bestimmen, auf welcher Position ein Land auf der Rainbow Europe Liste platziert wird?

Ausschlaggebend ist hier nicht nur ein Detail. Vielmehr sind es zahlreiche Punkte, die in die jeweilige Bewertung einfließen. Zusammengefasst geht es jedoch darum, die rechtliche Position von Queers im jeweiligen Land zu bewerten. Fragen wie „Wie wird der Diskriminierung von Queers vorgebeugt?“, „Sind Queers und Heteros gleichgestellt?“, „Welche Gesetze gelten im Zusammenhang mit Trans-Menschen?“ usw. spielen hier eine besonders wichtige Rolle.

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Und obwohl (oder vielleicht gerade, weil) sich die Rainbow Europe Liste im Vergleich zum Vorjahr so gut wie nicht verändert hat, ist es wichtig, die entsprechende Bewertung zu veröffentlichen. Auch ein (weitestgehender) Stillstand kann in diesem Zusammenhang ein wichtiges Statement darstellen.

 

Wie kam es eigentlich zu der Entstehung der gleichgeschlechtlichen Ehe?

 

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