Fetisch-Darstellungen beim CSD in Bremen verboten

Auch wenn es noch ein wenig dauert, bis der CSD in Bremen durch die Straßen zieht, steht schon jetzt fest, dass ein Entschluss hohe Wellen schlägt. Denn: Laut Veranstalter soll das Darstellen von Fetisch verboten werden.

Mittlerweile wurden viele kritische Stimmen laut. Kein Wunder! Immerhin wird auf diese Weise ein großer Teil der Community von der Veranstaltung quasi ausgeschlossen.

Fetisch verbot beim CSD in Bremen

Was sagt der Veranstalter zum Fetisch Verbot?

Laut Veranstalter ist es das Ziel des CSD in Bremen, die Gesellschaft über die Probleme, mit denen sich queere Menschen immer wieder auseinandersetzen müssen, aufzuklären. Die Darstellung von Fetisch erscheine den Verantwortlichen nicht als hilfreich, wenn es an anderer Stelle zum Beispiel darum ginge, über Rechte für Transsexuelle zu sprechen.

Viele Fetische würden ohnehin „sexuell gelesen“ und die entsprechenden Darstellungen (und Interpretationen) würden den Zuschauern in gewisser Weise aufgezwungen. Abschließend betonen die Veranstalter auf der Seite des CSD in Bremen: „Es gibt noch viel zu wenig Verständnis bei viel zu vielen Menschen darüber, wie viele romantische, sexuelle und geschlechtliche Identitäten es gibt.

In diesem Jahr (und möglicherweise auch in Zukunft?) scheint man sich dementsprechend auf die allgemeine Botschaft der Veranstaltungen fokussieren zu wollen, ohne zu stark aufzufächern.

Viel Kritik in den sozialen Netzwerken

Das Echo in den Sozialen Netzwerken zur Entscheidung, beim CSD in Bremen auf die Darstellung von Fetisch zu verzichten, ließ nicht lange auf sich warten.

Viele Kritiker sind der Meinung, dass auch die Mitglieder der Fetischcommunity – wie vorher auch – bei dem Event vertreten sein sollten. Ein Argument: selbstverständlich müsse sich auch dieser Teil der LGBTQs mit genau den Problemen auseinandersetzen, auf die im Rahmen der Veranstaltung hingewiesen würde.

Zudem sei es eine tolle Gelegenheit, Nicht-Queers aufzuzeigen, wie vielseitig die Regenbogen-Community doch sei. Einige sind sogar der Meinung, die Entscheidung, Fetisch bei einer Veranstaltung wie dem CSD komplett außen vorzulassen, verstöße gegen das Grundgesetz. Es sei ein falscher Schritt, sich anzupassen. Viele Queers interpretieren die Entscheidung, als den Wunsch, die Veranstaltung möglichst ohne anzuecken abhalten zu wollen. Hieraus ergibt sich zwangsläufig ein rotes Tuch für alle Queers, die die Geschichte der Community schon lange mitverfolgen und wissen, dass es mit Hinblick auf den Kampf für Gleichberechtigung und Toleranz sicherlich die falsche Botschaft wäre, sich zu verstecken.

Einige wagen sogar eine Prognose, dass in ein paar Jahren möglicherweise nicht „nur“ Fans von Fetisch, sondern auch andere Gruppen, wie zum Beispiel Transsexuelle, ausgeschlossen werden könnten. Ob die Veranstalter aufgrund des Gegenwinds an ihrer Entscheidung festhalten werden, bleibt abzuwarten.

Fetisch verbot beim CSD in Bremen

CSDs – Was ist erlaubt und was nicht?

Die aktuellen Diskussionen rund um den CSD in Bremen und die Frage, was erlaubt sein sollte und was nicht, ist nicht neu. In den letzten Jahren gab es immer wieder Diskussionen darüber, wie „schockierend“ ein CSD sein darf.

Vor dem Hintergrund, dass möglichst viel Aufmerksamkeit auf die Community gelenkt werden soll, ist es sicherlich hilfreich, Inhalte zu bieten, die „klassische Demonstrationen“ nicht bieten, ABER: die Wahrscheinlichkeit, dass besagte Inhalte auch dabei helfen können, bei besonders konservativen Menschen Vorurteile zu schüren, ist natürlich auch gegeben.

Dementsprechend sind viele Veranstalter in der Vergangenheit hier durchaus ein wenig vorsichtiger geworden und bitten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen verstärkt, nicht allzu freizügig an den Zügen teilzunehmen. Vorgaben dieser Art lassen sich manchmal leichter, manchmal weniger leicht durchsetzen. Viele CSD Fans lassen es sich schlicht nicht nehmen, sich selbst genau so, wie sie es für richtig und authentisch halten, zu präsentieren – teilweise eben auch halb-nackt.

Wo liegt also das Problem? In der Verschlossenheit vieler Nicht-Queers? In den freizügigen Kostümen? Sicherlich gibt es hier Aspekte, die weit über das typische „Schwarz-Weiß-Denken“ hinausgehen.

Ob ein komplettes Verbot eines wichtigen Teils der LGBTQ Community jedoch die richtige Lösung ist, kann, darf und sollte vielleicht auch bezweifelt werden.

 

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