Katholische Kirche will queere Mitarbeiter mehr schützen

Auf Basis eines neuen Arbeitsrechts sollen die Rechte vieler queerer Mitarbeiter in der katholischen Kirche mehr geschützt werden. So soll es beispielsweise verboten werden, einem Menschen aufgrund seiner sexuellen Orientierung zu kündigen. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch: Transsexuelle Menschen unterliegen diesem Schutz nicht.

Aber was bedeutet die Änderung der “Grundordnung des kirchlichen Dienstes”, wie sie kürzlich vom Verband der Diözesen Deutschlands beschlossen wurde? Und wer profitiert hiervon genau?

Katholische Kirche schützt Mitarbeiter

Vielfalt als Bereicherung

Laut eines offiziellen Statements der Deutschen Bischofskonferenz wird die Vielfalt, die in kirchlichen Einrichtungen mittlerweile vorherrscht, als „Bereicherung“ anerkannt. Das bedeutet, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Kirche repräsentieren können, ohne dass hierbei unter anderem mit Hinblick auf Aufgaben, Herkunft, der Religion oder der sexuellen Identität unterschieden werden würde.

Eine Bedingung für die Arbeit in der Kirche gibt es dennoch: Eine „positive Grundhaltung und Offenheit gegenüber der Botschaft des Evangeliums”.

Dass das Arbeitsrecht innerhalb der katholischen Kirche auf diese Weise reformiert wurde, ist das Ergebnis intensiver Bemühungen. Schon länger wurde darüber diskutiert, ob und wie queere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Zukunft hier besser geschützt werden könnten.

Die Vorgaben, die bisher galten, stellten oft einen Grund dafür dar, dass sich queere Gläubige von Vornherein gegen das Arbeiten für die katholische Kirche entschieden. Denn: Wer seinen gleichgeschlechtlichen Partner bzw. seine gleichgeschlechtliche Partnerin heiratete, riskierte bisher, seinen Job zu verlieren. (Dasselbe galt auch für Menschen, die sich scheiden ließen, um danach erneut wieder den Bund der Ehe einzugehen.)

Nun möchte sich die katholische Kirche queeren Menschen gegenüber insofern öffnen, als dass diese dazu berechtigt sind, ganz offiziell im Dienst der Kirche zu stehen. Aber leider gibt es eine Einschränkung. Denn: Trans Menschen stehen nicht unter dem neuen (Arbeits-) Schutz. Ein „Detail“, das von vielen kritisiert wird.

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Was gilt auf Basis der neuen Bestimmungen für Trans Menschen?

Mit Hinblick auf die neuen Bestimmungen fällt auf, dass zwar von der sexuellen Identität, aber nicht von der Geschlechtsidentität die Rede ist. Vielmehr liegt der Fokus auf der Gleichstellung von Frauen und Männern, die im Dienst der Kirche arbeiten.

Und genau hieran stören sich schon jetzt viele Queers. Sie sind der Meinung, dass die Neuerungen nicht weit genug gingen und dass hier noch nachgebessert werden müsste.

Immerhin gehen die neuen Bestimmungen immer noch von zwei Geschlechtern aus. Daher ist nicht klar, ob von den neuen Anti-Diskriminierungsvorgaben auch Trans-Personen betroffen sind. Müssen sie vielleicht sogar weiterhin um ihre Jobs innerhalb der katholischen Kirche bangen? Oder sind sie über die neuen Regelungen ebenso wie andere Queers abgedeckt und der Wortlaut wurde lediglich unglücklich formuliert?

Besonders wichtig scheint es nun zu sein, als Mitglieder der queeren Gemeinschaft zusammenzustehen und – wie so oft – einander zu unterstützen.

Viele Menschen haben sich für eine Änderung des Arbeitsrechts eingesetzt

Dass das Arbeitsrecht der katholischen Kirche mit Hinblick auf eine große Gruppe queerer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geändert wurde, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Im Frühjahr 2022 unterschrieben weitaus mehr als 100.000 Menschen dafür, mit Hinblick auf queere Beschäftigte innerhalb der katholischen Kirche umzudenken.

Vor allem die Aktion #outinchurch schaffte es, auch Menschen, die sich im Vorfeld noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hatten, darauf hinzuweisen, dass es durchaus viele Queers gibt, die Glaube und eigene Identität miteinander kombinieren können und möchten.

Es war damals das erste Mal, dass sich queere Gläubige und Mitarbeiter der Kirche auf diese Weise Gehör verschafften und für mehr Sichtbarkeit sorgten. Sie zeigten unter anderem, dass es durchaus möglich ist, gleichgeschlechtlich zu lieben UND im Dienst der Kirche zu stehen.

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