Die Zahlen, die im Rahmen der neuesten Studie zum Thema „Queere Obdachlose in den USA” veröffentlicht wurden, lassen aufhorchen. Laut dem „Trevor Project“, einer Organisation, die sich mit Themen wie Wohnungslosigkeit und Co. befasst, waren knapp 30 Prozent (genauer gesagt 28 Prozent) der queeren Jugendlichen in den USA schon einmal obdachlos oder lebten zumindest in einer schwierigen Wohnsituation. Und: 40 Prozent der besagten Obdachlosen, sind transsexuell bzw. nicht-binär.

Um die psychische Situation der Betroffenen ist es nicht besser bestellt. Ihr Risiko, an einer Depression zu erkranken, liegt viermal so hoch wie das von Queers, die in einschlägigen Schutzeinrichtungen leben. Wie gefährlich das Ganze ist, zeigt ein weiterer Teil der Studie. Denn: Jeder dritte queere Obdachlose hat binnen des Jahres 2021 versucht, sich umzubringen.

Studie zu queeren Obdachlosen in den USA veröffentlicht

Belastungen in unterschiedlichen Bereichen

Wer sich ein wenig Zeit nimmt, um sich in die Lage der queeren Obdachlosen zu versetzen, kann möglicherweise nachvollziehen, wie ausweglos die Situation für sie scheint. Sie müssen sich jeden Tag aufs Neue mit Problemen wie Wohnungssuche bzw. der Suche nach Schutz im Allgemeinen, Geldnot, (eventuell) Rassismus und Homophobie auseinandersetzen. Dass hierunter unter anderem auch die Psyche leidet, sollte jedem klar sein.

Hinzu kommt, dass die Corona Pandemie die Situation für die Betroffenen nicht einfacher gemacht hat. Viele Menschen (selbstverständlich auch die, die nicht queer oder obdachlos sind) blicken aktuell mit Sorge in die Zukunft. Dementsprechend könnte es durchaus sein, dass auch die Selbstmordrate unter queeren Obdachlosen nun noch weiter zunimmt.

Ein „Detail“, das den meisten Obdachlosen fehlt: Das Gefühl, dazuzugehören. Gerade in einer Pandemie kann eine Gemeinschaft als starkes Konstrukt empfunden werden. Fehlt dieses, erscheint die Situation noch ein wenig auswegloser.

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Viele Hilfsangebote können von Obdachlosen nicht in Anspruch genommen werden

Dass es vielen Menschen vergleichsweise leicht (oder zumindest leichter als anderen) fällt, sich ihren Weg durch die Zeit der Pandemie zu bahnen, liegt unter anderem auch daran, dass sie Zugang zu Hilfsangeboten haben.

Viele dieser besagten Angebote haben sich auf das Internet verlagert. Wer sich beispielsweise krankschreiben lassen oder beraten lassen (oder auch einfach nur mit Freunden „treffen“) möchte, kann Chatangebote und ähnliches nutzen. Natürlich nur dann, wenn Internetempfang und Endgerät zur Verfügung stehen. Auch diese Option, die von vielen Menschen als „selbstverständlich“ angesehen wird, fällt für viele Obdachlose weg. Gleichzeitig haben auch viele Menschen ohne Zufluchtsort Probleme damit, sich beraten zu lassen, weil sie fürchten, innerhalb der Gemeinschaft ihr Gesicht zu verlieren oder zu viel von sich preiszugeben. Ein Teufelskreis, aus dem es immer schwerer wird, auszubrechen.

Was zeigt die Studie?

Die Studie rund um queere Obdachlose, die kürzlich veröffentlicht wurde, zeigt einmal mehr, wie umfangreich die Probleme sind, mit denen sich viele Menschen jeden Tag – natürlich nicht nur in den USA – auseinandersetzen müssen.

Zudem wird ersichtlich, dass es wahrscheinlich die Belastung auf unterschiedlichen Ebenen (Existenzangst, Rassismus, Homophobie und die Suche nach sich selbst) ist, die dafür sorgt, dass viele Menschen ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter wissen und im schlimmsten Fall Suizid begehen.

Dementsprechend ist es umso wichtiger, immer wieder auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen. Wer sich in Deutschland auf der Suche nach Hilfe befindet, erreicht unter der Telefonseelsorge (Tel.: 0800 1110111) Menschen, die helfen können. Das dazugehörige Internetangebot findet ihr unter telefonseelsorge.de.

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